Die Simson-Anhänger-WM 2018

Wir waren auf der Anhänger-WM für euch unterwegs und sind der Faszination Simson etwas auf den Grund gegangen. Getroffen haben wir eine menge netter Menschen die sich und ihr Event nicht ganz so ernst nehmen und einfach Spaß am Hobby „Moped“ haben.

Was hat es eigentlich mit der Begeisterung für Simson-Anhänger auf sich? Früher wurden die extra konstruierten Anhänger genutzt, um zu zweit auf dem Moped in den Urlaub an die Ostsee zu düsen. Damit hat die Simson-Anhänger-WM aber wenig gemein. Dass die Schnapsidee der Gebrüder Becker so lange bestand haben würde, hätte wohl niemand gedacht. Schon das 14. Mal wurde es am letzten Augustwochenende laut in dem kleinen Dorf, in der Nähe von Apolda. Auf der alten Gummistraße hinter Niedertrebra trafen sich Simson Verrückte aus ganz Deutschland.

Dabei machten die alten 2-Takt-Motoren ordentlich Lärm. Dass heute Anhänger WM ist kündigt nicht nur die lokale Tankstelle per Newsticker an der Zapfsäule an, sondern auch das Brummen in der Ferne. Hier können Moped-Freunde ihrer Leidenschaft freien Lauf lassen und unter Gleichgesinnten sein. Die Simson Anhänger WM ist das Highlight eines jeden Sportbegeisterten Simson-Fahrers. Und natürlich auch jeder Fahrerin, denn diese Veranstaltung ist keinesfalls exklusiv den Männern vorbehalten. Jana Wackernage belegte sogar den 6. Platz in der Gesamtwertung bei den Simson-Anhängern.

Angemeldet waren an diesem Wochenende 29 Fahrer, die mit ihrem Anhänger die Rennstrecke unsicher machen wollten. Zudem gab es 10 mutige Paare, die sich im Seitenwagenrennen messen wollten. Der jüngste Fahrer zählt gerade 14 zarte Lenze, der älteste war in diesem Jahr bereits Ende 40. Die Teilnehmer kennen sich oftmals schon seit Jahren. Sie bleiben ihrer Anhänger-WM treu. Das das Simson Moped vor allem in den neuen Bundesländern zum Kult geworden ist, zeigt sich auch im Teilnehmerfeld. Allesamt stammen sie aus dem Osten der Bundesrepublik.

Wir durften das Fahrerlager unsicher machen und mit ein paar Bastlern sprechen. Michael Ritz (im Beiwagen) und Christoph Krüger (als Fahrer) sind extra aus Berlin angereist, um am Samstag bei der WM dabei sein zu können. Es ist bereits ihr zweites Jahr und sie sind gepackt von der Simson-Begeisterung. Wie sie zu ihrer Simson gekommen sind und was genau der Umbau gekostet hat, wollten uns die beiden allerdings nicht verraten. Mit einem zwinkern meinte Christoph: „Das dürfen doch die Frauen zuhause nicht erfahren, sonst gibt es Ärger.“ Viele Fahrer besitzen lokale Sponsoren, die den teilweise kostspieligen Umbau der alten Mopeds mitfinanzieren.

Es gibt nur wenig Regeln bei dieser besonderen Rennsportweltmeisterschaft. Erlaubt sind alle Modelle der Firma SIMSON aus Suhl, auch die Vogelserie zu der die berühmte Schwalbe gehört. Mindestens der Untermotor des Fahrzeugs muss ein Simson-Original sein. Die Anhänger sind, anders als vielleicht vermutet, nicht original. Als zu Beginn der WM-Geschichte noch originale Anhänger benutzt wurden, war es erforderlich, dass eine zweite Person auf dem Anhänger saß, damit dieser nicht das Moped zum umfallen brachte.

Die Anhänger müssen wenigstens zwei Räder besitzen Ein Rad fährt zwar besser, damit hätte die Konstruktion des Anhängers aber keine Auswirkung mehr auf das Fahrverhalten des Mopeds. Auch genaue Maße und ein Gewicht von mindestens 12kg sind vorgegeben. Selbstverständlich wird der Fahrer disqualifiziert, wenn sich der Anhänger während des Rennes vom Moped löst oder ein Rad verliert. Sonst ist alles erlaubt was gefällt, funktioniert und wofür man Geld ausgeben möchte. Der Beiwagen beruht in der Regel ebenfalls auf einer Simson-Unterkonstruktion.

Anders als in den vorangegangenen Jahren, wurde auch auf das übliche „Bierfasstragen“ vor dem Start verzichtet. Stattdessen musste nun der Anhänger zu Beginn des Rennens über eine Distanz von 25m zum Moped gezogen und dann am Fahrzeug befestigt werden.

Man denkt vielleicht, so eine spektakuläre Veranstaltung hätte eine ganze Reihe Verletzter zu beklagen. Jedoch war eine gebrochene Schulter die schlimmste Verletzung, die sich ein Fahrer bisher zugezogen hat. Lediglich ein betrunkener Zuschauer, der ohne Vorwarnung im Rennen auf die Strecke lief, musste vor Jahren mit schlimmeren Blessuren ins Krankenhaus. Auch wir wurden Zeugen eines Unfalls, bei den Trainingsrunden. Die Vorderachse des Mopeds brach kurz vor der Zieleinfahrt und der Mitfahrer im Anhänger lag für kurze Zeit am Boden. So endete die WM für dieses Gespann schon bevor sie überhaupt begonnen hatte, zum Glück ohne ernste Verletzungen.

Wie auch in den letzten Jahren, sprachen die Veranstalter von Zwei- bis Dreitausend begeisterten Zuschauern, denen die staubige Piste nichts ausmachte. Der neue Weltmeister der Simson-Anhänger ist David Rosenstengel. Die Gebrüder Becker, Veranstalter der WM, siegten erneut in ihrem Beiwagen.

Wer die Anhänger-WM verpasst hat, kann mit etwas Glück die außergewöhnlichen Konstruktionen bei den „Kings of Extremes“ in Leipzig oder Dresden bewundern. Auch auf YouTube finden sich einige Impressionen dieser charmanten Veranstaltung.

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