Mods und Scooterboys – Die Subkulturen der Rollerfahrer

Subkulturen bringen Farbe in die Gesellschaft. Wer kennt sie nicht, die Punks, Gothics oder Rocker, die sich durch einen ganz bestimmten Kleidungs- und Musikstil voneinander abgrenzen. Aber wer hätte gedacht, dass es auch bei Rollerfahrern eine Subkultur gibt? Wir wagen einen Blick zurück, auf die wilden Jahre der sogenannten Mods (von Modernists) und Scooterboys.

Mods

Wie viele Subkulturen stammt auch die Mod-Bewegung aus London. Sie schwappte später auf den Kontinent und schließlich in die ganze Welt über. Experten sprechen von zwei „Wellen“ der Mod Subkultur. Ihren Ursprung hat die Bewegung bereits 1950 in der britischen Arbeiterklasse und unteren Mittelschicht. Mods traten dann erstmals Ende der 60er Jahre auf. Die zweite Welle, kam Ende der 70er bis hinein in die 80er Jahre auf.

Sich als Mod zu identifizieren hatte zum Ziel die soziale Herkunft in den Hintergrund zu drängen. Ein anspruchsvoller Kleidungsstil sowie selbstbewusstes Auftreten sollten Jugendlichkeit und Erfolg (sozialen Aufstieg) darstellen. Man wollte sich vom schmuddeligen Look der Punks abgrenzen.

Zum Mod Style zählten maßgeschneiderte Anzüge und teure Markenkleidung, aus dem Ursprungsland der Lieblingsroller, Italien. Der Parka, als Überwurf, sollte die teure Kleidung beim Fahren des Rollers schützen. Dieser Mantel wurde dann, ähnlich wie in anderen Subkulturen, in den 70er Jahren, mit Aufnähern von Bands und Veranstaltungen geschmückt.

Das Hauptmerkmal der Mod Kultur waren, durch Umbauten individualisierte, italienische Motorroller (Vespa, Lambretta). Mods liebten ihre Roller, die sie hegten und pflegten. Ein Umbau machte einen gewöhnlichen Roller zu einem Custom Roller. Die Fahrzeuge lackierte man in knalligen Farben, oftmals mit Zierstreifen. Zudem gab es Veränderungen an der Karosserie. Besonders schick war es, wenn modellfremde Teile am Fahrzeug montiert wurden. Unzählige Spiegel und Lampen, die man teilweise an extra Halterungen anbrachte, sind ein weiteres Erkennungsmerkmal dieser Roller Szene. Fahnenstangen und Fuchsschwänze durften bei keinem Mod Roller fehlen. Hinzu kamen, vor allem in Großbritannien, britische Flaggen. Weitere optische Highlights waren Sportauspuffanlagen und Rückenlehnen.

Es gab verschiedene Arten des Customizings. Als „Cutdown“ bezeichnet man beispielsweise modifizierte Roller, bei denen Karosserieteile abmontiert oder weggeschnitten werden. Wohingegen „Racer“ auf sportliche Optik getrimmt sind und eine grelle Lackierungen besitzen.

Modifizierte Vespa

Mods tranken gern Alkohol und trafen sich am Wochenende zum exzessiven Feiern, Tanzen und Fahren. Teilweise wurden Roller Ausfahrten mit bis zu 200 Personen veranstaltet. In Großbritannien war die Küstenstadt Brighton ein Hauptziel der Mod Szene. Um die anschließenden Partys zu überstehen, griffen viele auf Aufputschpillen und härtere Drogen zurück. Eine weitere Schattenseite der Szene waren die (oftmals geplanten) Schlägereien zwischen Mods und Rockern, bei denen es auch zu Verhaftungen kam. Außerdem konnte es passieren, dass bei Randalen ganze Innenstädte verwüstet wurden. Diese wilden Wochenenden nutzten die Mods als Ausgleich zu ihrer Arbeit in der konservativen Gesellschaft.

Wie bei allen Subkulturen gab es eine starke Identifizierung zur Gruppe über die Musik. Während die verfeindeten Rocker ihre Wurzeln im Rock `n Roll (Stichwort: Elvis Presley) haben, gründeten sich die Musikvorlieben der Mods aus anderen „schwarzen“ Stilen wie dem Soul, Ska, und Jazz. Am einflussreichsten war wohl die Band „The Who“. Sie galt als DIE Mod Band. Das Logo der Band, das Mod-Tag, welches von der britischen Fliegerstaffel inspiriert ist, gilt ebenfalls als Symbol der Mod Subkultur und findet sich noch heute auf vielen Rollern der Szene. Einen guten Eindruck der Kultur vermittelt das originale Musikvideo zur Mod Hymne „My Generation“ von The Who. Die Songs der Band sind immer noch, vor allem durch Coverversionen, bekannt. Nennenswert ist hier „Behind Blue Eyes“ von Limp Bizkit aus dem Jahr 2003.

Zu Beginn der zweiten Welle der Mod Subkultur, im Jahr 1973 veröffentlichte The Who das Konzeptalbum „Quadrophenia“. Der gleichnamige Film von 1979 zeigt die Modkultur der 60er Jahre mit all ihren Facetten. Hier sieht man den berühmtesten aller Mod Roller, die modifizierte Lambretta LI150 der Hauptfigur. Der Roller trägt dabei ebenso zur Handlung bei, wie die Schauspieler.

Scooterboys

Noch heute lassen sich Einflüsse der Mod Kultur bei den sogenannten Scooterboys erkennen. Die Scooterboys waren in Deutschland ein großes Thema. Sogar der Stern und die Bravo berichteten über die Szene. Unter anderem gab es eine eigene Foto-Love-Story für Mitglieder der Subkultur. Bei uns gibt es seit 1987 Scooterruns, welche bereits 1988  als Wochenendveranstaltungen geplant wurden.

Vorstellen kann man sich das Ganze wie eine Art Roller-Festival. Scooterruns sind dabei keine Rennen im eigentlichen Sinne. Es gibt lediglich Rundfahrten und Custom Shows, bei denen die schönsten Roller prämiert werden. Hinzu kommen ein musikalisches Rahmenprogramm, Food-Trucks und Verkaufsstände von Rollerhändlern und Rollerteilehändlern. Hier kann man auch Patches von der jeweiligen Veranstaltung erwerben, um diese dann auf die Jacke zu nähen. Auf diese Art drücken Roller Fahrer ihre Zugehörigkeit aus. Auch in der Scooterboy Szene nimmt das Modifizieren und Tunen der Roller einen hohen Stellenwert ein. Die Klassiker Marken Vespa und Lambretta sind dabei am meisten verbreitet. Die Fahrzeuge sollen so individuell wie möglich gestaltet sein.

Noch heute finden in Deutschland regelmäßig Scooterruns, Allnighter und Veranstaltungen wie das An- und Abrollern statt. Bei Rallys kommen oft mehrere 1000 Roller Enthusiasten zusammen. Vielleicht schaut ihr einfach mal auf Facebook, wann bei euch das nächste Roller Event stattfindet und trefft dort Gleichgesinnte. Oder wie wäre es, auf dem Roller im Anzug zur nächsten Veranstaltung zu erscheinen und somit ein bisschen klassischen Stil zurück auf die Straßen zu bringen.

 

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